Petit Trianon - Pressestimmen

Kraftvolle und sangliche Passagen
Wochenende, 3/4. November 2O07 Nr. 253
KULTUR

ELEVEN-ELEVEN-KONZERTREIHE
Kraftvoll e und s angl i che Pas sagen
Die von Michael Schopper begründete Reihe
Eleven-eleven in der Kulturwerkstatt am Mühlbach ist zum Seibstläufer geworden. Jetzt wurde das 25. Konzert dieser Reihe veranstaltet.
VON ARNO PREISER
Olching — Der starke Zulauf zur leven-eleven-Matinee galt dem 25. Konzert der Reihe und dem hervorragenden
Ensemble. Dorothea See! (Traversflöte, Isolde Hayer (Cello) und Florian Birsuk (Hammerflügel) spielten Musik der Zeit der Wiener Klassik. Anlässlich des 250. Geburtstags von Ignaz Pleyel erklangen in der Kulturwerkstatt am Mühlbach auch Werke seiner Lehrmeister Das begann mit Joseph Haydn, dessen Schüler Pleyel 15-jährig wurde. Das Trio F-Dur Hob.XV:17 (1790) hat zwei Sätze, den ersten entwarf Haydn kurioserweise als sehr kompliziertes Stück und ver-
einfachte es für den Druck. Doch der von Birsak farbig gestaltete Klavierpart dieses Allegro wirkte reich verziert. Auch stellte die Flötistin ihren alternativ für Geige bestimmten Part mit leuchtendem Beiwerk heraus, die Cellistin begleitete sanft. Einem langsamen Satz zieht Haydn ein kunstvolles Tempo di Menuetto als Schluss vor, den das Ensemble beschwingt, doch ohne Eile musizierte. Schade, dass wohl aus Zeitmangel, die Durchführung beider Sätze nicht wiederholt
wurde. Ob Johann Baptist Vanhal, von dem Pleyel bereits als Kind unterrichtet wurde, zu Unrecht im Schatten Haydns steht, konnte der Hörer nun erwägen.
Vom Cembalo führt Pleyels Entwicklung zum kräftiger klingenden Portepiano hin. Die Vorliebe des Böhmen für Tasten- wie für Blasinstrumente war der Sonate D-Dur (um 1780) anzumerken. Flötistin und Pianist zeigten beim Allegro moderato wie sich kraftvolle Passagen und sangliche lebensvoll ergän
zen. Den Cantabile-Satz entfaltete Frau Seel über Klavierakkorden empfindungsvoll, das Allegretto-Finale als angeregtes Duettieren, unter anderem mit brillanten Läufen beider Instrumente. Dass auch Ignaz Pleyel neben Haydn mit Anstand bestehen kann, zeigte sich bei der Trio- Sonate e-Moll. Dem Allegro, teils in Eilbravour, folgten ein Andantino mit bezauberndem Flöten-, ebenfalls kantablem Klavier- und sonorem Cellopart sowie im Rondo Wetteifer von Flöte und Klavier im Trillern und plötzlich heftig überraschender Akkord und winzige Pause. Die Triosonate D-Dur (beide 1788), bestehend aus Allegro und Allegro molto, bestätigte die Merkmale.
Ein langsamer Satz, den Pleyel hier weglässt, erklang aus der Triosonate 0-Dur als Zugabe. Zuvor bei Beethovens Variationen über Papagenos Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts „Zauberflöte“, trat die Cellistin dem Pianisten gegenüber geschmeidig hervor.
Münchner Merkur, 04.11.2007
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